Sprachenkonzept des DSSV

Research output: Book/Report/PhD thesisBookEducation

Abstract

Vorwort
Die Sprachensituation in Nordschleswig ist in hohem Maße durch Mehrsprachigkeit ekennzeichnet. Deutsch, Dänisch und Sønderjysk werden hier - neben vielen anderen Sprachen - gelebt und gesprochen. Hierdurch entstehen für die Menschen in unserer Region mannigfache Sprachkontakte, die in vielfacher Hinsicht einen unbezahlbaren Reichtum darstellen.
In den Kindergärten und Schulen der deutschen Minderheit wird dieser Reichtum auf besondere Weise deutlich. Die Hauptsprache hier ist Deutsch, gleichzeitig wird aber ein vielfältiger mehrsprachlicher Umgang miteinander täglich ja sogar stündlich gelebt und erprobt. Dies stellt hohe Ansprüche an die Sprachförderung und das Sprachenlernen in Kindergarten und Schule und an die sprachliche Aufmerksamkeit der Pädagogen und Lehrer.
Viele Kinder, die in den Institutionen der Minderheit anfangen, erleben hier ihre ersten Erfahrungen mit der deutschen Sprache. Um den Grundstein für ein motiviertes und positives Sprachenlernen zu legen, ist es essenziell, dass diese ersten (und alle weiteren) Erfahrungen mit der neuen Sprache durch Freude und Anerkennung gekennzeichnet sind. Neugier an der deutschen Sprache und Experimentierfreude müssen angeregt werden, um die Freude und die Lust am Sprachenlernen zu stärken und zu erhalten. Dafür ist es wichtig, dass Deutsch in sinnvollen Kontexten und mit einem natürlichen Einfühlungsvermögen für die mehrsprachige Realität der Kinder und Jugendlichen vermittelt wird. Es wird somit deutlich, dass der Bedeutung von Sprache(n) für das Lernen in den Institutionen der Minderheit eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Sprache ist hier nämlich nicht nur Mittel zum Zweck (Mittel zur Kommunikation und zum Lernen), sondern auch Sinn an sich (Träger von Kultur und
Identität). Hinzu kommt, dass dem Lernen von Sprachen bildungspolitisch eine zunehmende Bedeutung beigemessen wird. Die virtuelle und reale Vernetztheit unserer Welt hat zur Folge, dass wir vermehrt mit Menschen anderer Sprachen kommunizieren können und müssen. Damit rückt der Aufbau sprachlicher Kenntnisse ins Zentrum der allgemeinen Bildungsaufgaben.
Mit diesem Sprachenkonzept möchte der DSSV aufzeigen, dass Sprachenlernen einen zentralen Stellenwert in den Bildungsinstitutionen der deutschen Minderheit einnimmt. Der DSSV möchte mit diesem Sprachenkonzept Anhaltspunkte, Anregungen und Inspiration für Lehrer und pädagogische Mitarbeiter bieten, wie sie das einzelne Kind positiv und anerkennend, das heißt in Übereinstimmung mit den Ansätzen der positiven Psychologie, auf dem Weg zum Sprachenlernen begleiten können. Dieses Sprachenkonzept soll deshalb als Grundlage für die zukünftige Gestaltung des pädagogischen Alltags und die Erarbeitung von didaktischen Materialien dienen.

Für Mitarbeiter einer Minderheiteninstitution ist es wesentlich, sich regelmäßig mit Kolleginnen
und Kollegen über die Sprachentwicklung von Kindern auszutauschen und sich über neuestes
Wissen über die Sprachentwicklung von mehrsprachigen Kindern zu informieren. Dieses
Sprachenkonzept soll deshalb auch die Möglichkeit bieten, die Ziele der sprachlichen Bildung in
den Institutionen des DSSV, basierend auf den neuesten sprachtheoretischen Erkenntnissen, zu
reflektieren.

Schließlich hat das vorliegende Sprachenkonzept zum Ziel, eine einheitliche Sprachpolitik für die
deutschen Kindergärten und die deutschen Schulen in der Minderheit zu gewährleisten, um somit
Kohärenz für die Kinder und die MitarbeiterInnen im Übergang von Kleinkindgruppe, Kindergarten
und Schule zu schaffen.
Original languageGerman
Publication statusPublished - 2020

Keywords

  • identity-making
  • language development
  • language acquisition

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